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dogspercussion

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Monday, July 16th 2012, 3:48pm

Cajon - Ausführliche Kaufberatung

An dieser Stelle werde ich nach und nach Beiträge zu entscheidungs-relevanten Kriterien für den Cajon-Kauf verfassen bzw. um bestimmte Aspekte erweitern.

Allgemein zum Thema

In Musik-Foren sind Cajones zur Zeit wohl die meist-besprochenen Percussion-Instrumente überhaupt. Vor allem Anfänger suchen immer wieder Antworten bzgl. sogenannter Einsteiger-Modelle, wobei sich in der Regel ein konkretes Modell mit möglichst geringem Preis - z. B. unter 100 oder 150 Euros - bei gesichert akzektabler Qualität herauskristallisieren soll. Darauf reagieren die Hersteller mit Modellreihen, Sonder-Editions, Bausätzen etc.. Anfänger sind nämlich ein äußerst attraktives Klientel – tendieren vergleichsweise stark zu Internet-Käufen (d. h. scheuen sich vor Probier-Prozeduren in Fachgeschäften), lassen sich von UVP-Angaben beeinflussen und fühlen sich dabei durch geltendes Umtauschrecht abgesichert. Wer sich mal bei Just Music in Hamburg in der Cajon-Abteilung – also tatsächlich vor Ort – umgetan hat, kann das sogar nachvollziehen.

Meine Intention
Insofern Dog´s Percussion ein Hersteller von Cajones ist, habe ich selbstverständlich Interesse daran, potentielle Kunden für meine Instrumente zu sensibilisieren. Andererseits ist jedes Cajon ein Einzelstück und man kann deshalb seriöserweise nur qualitative Kriterien anführen, die auf jedes einzelne andere Cajon, egal welches Herstellers, anwendbar sind. Mittlerweile haben sich allerdings – sowohl in Foren als auch in Fachgeschäften – gewisse Beratung-Standards entwickelt, die den grundsätzlichen Blick auf diese wunderbaren Instrumente in dem Maße verengen, wie sich Anzahl und Angebote der Hersteller vergrößern. Dem entgegenzuwirken ist mir ein besonderes Bedürfnis – zum einen für die eigene Inspiration und zum anderen, weil marketing-gesteuerte Wahrnehmungsschablonierungen bei mir grundsätzlich Widerstand provozieren.

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Monday, July 16th 2012, 3:49pm

Fachgeschäfte / Fachverkäufer

Die Produkte-Vielfalt am Markt macht es für kleine bis mittelgroße Equipment-Läden unmöglich, ein wirklich repräsentatives Sortiment bereit zu halten. In der Regel kann man davon ausgehen, dass die Auswahl an Instrumenten hauptsächlich auf kaufmännischen Abwägungen beruht. Hersteller und/oder insbesondere Vertriebe nehmen somit, d. h. mittels Spezial-Konditionen bzgl. Margen, Prämien, Stützpunkt-Status u. ä., sehr starken Einfluss auf das, was die Verkäufer letztlich gegenüber der Kundschaft argumentieren.

Glücklicherweise sind Cajones einfache (um nicht zu sagen: primitive) Instrumente und was man hört ist auch das, was man ggf. kauft. Empfehlenswert ist unter Umständen:
  • Soundchecks mit den Instrumenten der engeren Wahl in verschiedenen Ecken des Ladens, denn akustisch wirksame Faktoren variieren manchmal innerhalb weniger Meter.
  • sich die Cajones von jemand anderem vorspielen lassen und selber dabei mehrere Meter Abstand nehmen - manche klanglichen Charakteristika gewinnen erst dann ihren spezifischen Reiz, wenn man nicht selber spielt (ist zwar seltsam, geht mir aber oft so)

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Tuesday, July 17th 2012, 1:09pm

Bauformen, Materialien und Größen

Cajones sind Kisten - ganz einfach. Im Grunde kann man jeden Hohlkörper auf seine klanglichen Eigenschaften hin abklopfen und entscheiden, ob man ihn als Musikinstrument einsetzt oder nicht. Neben kubanischen Entwicklungen, die sich an der Spielweise von Congas orientieren, hat sich in Europa vor allem die Form durchgesetzt, auf der man sitzt. Als Standard-Maße gelten 45-50 cm hoch, 28-30 cm breit, 27-32 cm tief, was vom Volumen her sicherlich eher auf ergonomische Erfordernisse als auf klangliche Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen ist. Einige Hersteller bieten darüber hinaus sog. Bass-Cajones an, die 40-50 cm breit sein können. Auf Kuba bauen sich Leute aber auch Bass-Kisten, die um die 65 cm breit sind, wobei man auf denen nicht mehr unbedingt mit beiden Händen zwischen den Beinen spielt.

Cajonbauer denken selbstverständlich viel darüber nach, welche klanglichen Auswirkungen bestimmte Materialien haben. Der Klang eines Cajons ist allerdings sehr multifaktoriell bedingt, d. h. alles wirkt sich auf alles aus: Korpusmaterial, Wandungsdicken, Schlagplattenmaterial, Korpus-Volumen, Korpus-Proportion, Schalloch-Größe, Schalloch-Position und und und. Auch Furnier-Beschichtungen von Schlagplatten werden mit entsprechenden Klangeigenschaften in Verbindung gebracht, wobei man in dem Zusammenhang auch noch über den verwendeten Leim nachdenken müsste. Letztlich klingen aber auch baugleiche(!) Cajones immer unterschiedlich und – !!! – es ist auch noch ausschlaggebend, wer das Cajon spielt: Spieltechnik, Körpergewicht, Auflagefläche des Hinterns ^^ u. a.

Ich bin der Meinung, dass der Haptik eine erotische Bedeutung bei der Instrumentenwahl zukommt. In Verbindung mit dem klanglichen Effekt eines bestimmten Schlags ist nämlich auch entscheidend, wie sich dieser Schlag angefühlt hat und ob ich mich auf den nächsten Schlag gleicher Art "freue" bzw. ob es mich inspiriert, diesen Schlag im Sinne eines sog. Feedforwards zu modifizieren. Hierbei spielen sicherlich auch sog. synästhetische Phänomene eine Rolle. Ein punchiger Bass, bei dem die Hand ganzflächig eingesetzt wird, passt für die Meisten wahrscheinlich besser zu einer weich-warmen Schlagplatte als zu einer hart-spröden. Damit will ich sagen, dass die Haptik durchaus Einfluss auf die Technik nimmt und somit auch auf den Sound. Man kann eventuell sogar darüber spekulieren, ob Conga-Spieler aufgrund ihrer haptisch-technischen Gewohnheiten weiche Platten bevorzugen, Framedrummer hingegen spröde. In Verbindung mit dem konkreten klanglichen Feedback eines Cajons kann sich eine Schlagplatte allerdings auch zugleich weich und straff anfühlen (natürlich auch: hart und straff, hart und schlaff, weich und schlaff).

Manche Hersteller verzichten – vor allem bei ihren preisgünstigen Modellen – auf handschmeichlerische Kantenbehandlung. Für Anfänger bildet das sicherlich eine gewisse Schwelle bei der Entwicklung einer dynamischen Spielweise. Fortgeschrittene machen in der Regel schnell die Erfahrung der sog. De-Sensibilisierung (ähnlich wie Gitarrespieler bei den Fingerkuppen der Greifhand). Bei ungewohnter Beanspruchung erhält das Hirn eine entsprechende "Mitteilung" seitens der Nervenenden, die sich in den betreffenden Zonen befinden. "Ungewohnt" wird sicherheitshalber erstmal als "potentiell gefährlich" eingestuft und dem Bewusstsein mittels Symptomen von Schmerz zur Wahrnehmung gebracht. Zweck dessen ist, auf die Modifizierung der Handlungsplanung hinzuwirken. Wird das nachhaltig ignoriert, "beschließt" das Gehirn, die Reiz-Intensität der sensiblen Feedbacks künftig als normal zu bewerten und "erspart" sich die Schmerzbotschaften.

Es gibt inzwischen Modelle, deren obere Ecken derart gerundet sind, dass man nicht mehr von Ecken sprechen kann. Das daraus resultierende Spielgefühl kann als sehr angenehm empfunden werden. Allerdings muss man bedenken, dass "richtige" Ecken Vorzüge haben (können), die sich aus den physikalischen Eigenschaften kreuz-verleimter Sperrholz-Schlagplatten "naturgemäß" ergeben.

Die Meinungen darüber, was die optimale Sitzhöhe ist, gehen auseinander. Abgesehen von diversen Theorien bzgl. der Rückenschonung habe ich einen 15-jährigen mit nahezu 1,90 m Körperhöhe erlebt, der es vergleichsweise "cool" fand, auf einem 40 cm hohen Cajon zu sitzen, aber auch jemanden mit deutlich über 2 m Körperhöhe, dem es wichtig war, in einigermaßen normal-proportionierter Beziehung zu seinem Instrument gesehen zu werden. Ich empfehle, im Zweifelsfall bzgl. folgender Dinge in sich zu gehen:
  • Komme ich mit den Füßen ganzflächlich auf den Boden? Wichtig ist, dass die Blutzu- und -abfuhr durch die seitlichen Korpuskanten nicht unterbunden wird. Für Kinder gibt es von einigen Herstellern kleinere Modelle. Einige von denen klingen sogar recht gut, sofern man sie "richtig" rannimmt. Und das ist ein entscheidender Punkt: ab welchem Alter setzt sich ein (gewöhnliches) Kind tatsächlich ambitioniert-intensiv mit einer Holzkiste auseinander? Und weil gerade bei jüngeren Kindern ein Desinteresse nicht unwahrscheinlich ist, fragen viele Eltern nach einem speziellen Kindercajon, insofern sie nämlich davon ausgehen, dass dieser Sachverhalt und der Größenunterschied zum normalen Cajon herstellerseits zumindest bei der Preisgestaltung berücksichtigt wurde.
  • Für den Fall, dass man sich – aus welchen Gründen auch immer – für ein Cajon entscheidet, das eigentlich zu niedrig ist, kann man sich im Baumarkt eine stabile Sperrholzplatte (5 - 8 cm größer als die Grundfläche des Cajons) besorgen, die mittels untergeleimter Leisten zu einem Podest wird, das zur nötigen Höhe der Sitzfläche führt. Für die Rutschfestigkeit des Podests sorgen am besten zurechtgeschnittene Teile jener schweren Matten, die man unter zum Rumpeln neigende Waschmaschinen legen kann. Die sind ebenfalls im Baumarkt erhältlich, nicht teuer und sorgen bei einer Etagen-Decke sogar noch für ein wenig Schalldämpfung während des Übens. Unter Umständen reicht alleine schon die Sperrholzplatte mit untergeklebten Mattenstücken.
  • Auf welchem Cajon habe ich das Gefühl, automatisch aufrechter zu sitzen? - Bei Stuhl- bzw. Sitzhöhen sind 1-2 cm Höhenunterschied manchmal sehr entscheidend für das Wohlbefinden und somit auch das Durchhaltevermögen (z. B. bei Workshops). Anhand des sog. Zahnradmodells kann man einigermaßen anschaulich nachvollziehen, wie sehr sich unterschiedliche Haltungen jeweils auf die Wirbelsäule auswirken. Man kann bei diesem "Prüf"-Verfahren allerdings auch an sich selbst beobachten, bei welchem Cajon man sich mit dem Aufrechtsitzen am meisten Mühe gibt (eine Art Wünschelruten-Effekt?). In der Hirnforschung hat sich inzwischen gezeigt, dass fast alle Entscheidungen, die wir treffen, nicht auf rationalem Wege ermittelt, sondern erst im Nachhinein legitimiert werden.

  • Auf welchem Cajon fällt es mir – aus welchen Gründen auch immer – am leichtesten, mit den Fersen meiner Füße (bei leichtem Andruck) auf der Schlagplatte in Bereiche oberhalb der Mitte zu gelangen.

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Wednesday, July 18th 2012, 12:14am

Klangeigenschaften

In Spielanleitungen für Cajon fallen – Schlagvarianten betreffend – zumeist die Begriffe "Bass", "Tone", "Slap" und "Tip", was beispielsweise auch dem gängigen Sprachgebrauch bei Congas entspricht. Ob und wie differenziert ein konkretes Cajon diese Varianten klanglich quittieren sollte, kann pauschal nicht beantwortet werden, zumal die Ausführungsqualität der Schläge mindestens 50% (eher mehr) des Klangs ausmachen. Jedes Cajon stellt darüber hinaus den Anspruch, dass man seine spezifischen Eigenschaften entdecken muss – d. h. was bei dem einen Cajon auf eine bestimmte Weise funktioniert, lässt sich bei einem anderen nur durch Modifikation oder in einer anderen Zone der Schlagplatte bewerkstelligen.

Ich weise nochmals darauf hin, dass sich unsere Präferenzen weitgehend unbewusst bilden. Faktische Argumente brauchen wir lediglich, um die jeweilige Entscheidung hinterher rechtfertigen zu können.

Hierzulande taucht im Zusammenhang mit einem Cajon-Kauf oft die Anforderung auf, dass der Bass möglichst ohne Snare-Anteil erklingt. Das ist dem Umstand geschuldet, dass das Cajon gerne als Schlagzeug-Ersatz gesehen wird – sprich: man eigentlich zwei Instrumente in einer Kiste vereint haben möchte. Demgegenüber höre ich von Schlagzeugern oft, dass sie das permanente Mitrascheln ihrer Snare sehr schätzen – nämlich weil das für eine Homogenität zwischen den verschiedenen Teilen, aus denen ein Schlagzeug zusammengesetzt ist, sorgt. Eine Einheit (Cajon) soll bitteschön eine möglichst große Unterschiedlichkeit bieten, die Vielheit (Schlagzeug-Set) wird als möglichst ganzheitlich-kompakt gewünscht. Darüber sollte man also mal genauer nachdenken.

Ein weiterer Punkt, der vor allem Percussion-Anfänger und Schlagzeuger betrifft, ist, ob eine Bereitschaft zur Entwicklung von Spiel-Technik besteht. Wie gesagt, ergibt sich ein Cajon-Sound zu mindestens 50% aus der Technik. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein versierter Hand-Perkussionist durch minimale Haltung-Variationen, optimierte Kraft-Dosierung, Koordination und Erfahrung auf jedem Brett die Wahrnehmung der oben genannten Sounds (Bass, Tone, Slap, Tip) in einem rhythmischen Gefüge erzeugen kann. Die Sounds befinden sich nicht auf dem Brett, sondern in den Händen – und(!) in den Köpfen der Zuhörer, die mithilfe ihrer musikalischen Wahrnehmungsgewohnheiten die Unterschiede assoziieren (was man Phänomenen der sog. Psychoakustik zurechnen kann).

Anfänger und Schlagzeuger fragen sich hingegen eher, wohin sie schlagen müssen – also: wo sich ein Sound befindet. Und selbstverständlich besitzt eine Schlagplatte Bereiche, die unterschiedlich klingen. Abgesehen von den Zonen, die sich zur Mitte hin in Richtung Bass abstufen, empfehle ich, gerade auch den extremen Randzonen Beachtung zu schenken. Hier sind oft sehr lebendige Töne erzeugbar, z. B. entlang der waagrechten Vorderkante (oben) oder links und rechts im Bereich der Seitenwände (bis jeweils eine Handlänge von den oberen Ecken abwärts). Von der Schlagplatte abgesehen, können natürlich auch alle anderen Flächen musikalisch verwertbare Sounds aufweisen.

Neben der Frequenz eines Tons spielen oft Begriffe eine Rolle, die zwar genannt aber nie wirklich geklärt werden. Was ist z. B. ein "fetter", "runder", "punchy" oder "warmer" Bass? Was sind "prägnante", "starke" oder "kompakte" Mitten? Was sind "präsente" Höhen? Was ist ein "trockener" oder "mitteltrockener" Klang? Was ist eine "definierte", "dezente", "fette" oder "crispe" Snare? Hersteller versuchen mit derlei Adjektiven die Vorzüge ihrer verschiedenen Modelle herauszustellen – natürlich insbesondere im Hinblick auf Internet-Käufe. Aber Vorsicht! Jedes Cajon ist ein Individuum.

Ich habe Profis derart hart spielen sehen, dass eine Überbeanspruchung der Schlagplatte klanglich wahrnehmbar war. Von daher sollte man ggf. jemanden bitten, sehr hart (aber korrekt – nicht unkoordiniert!) zu schlagen, und selber aus größerem Abstand überprüfen, ob die Sounds qualitativ hochwertig bleiben (ob z. B. die Snare dynamisch mitgeht), ob das Gleichgewicht zwischen den Sounds erhalten bleibt oder nicht. Das spielt natürlich nur eine Rolle, wenn das betreffende Cajon tatsächlich auch in extrem lauten Kontexten eingesetzt werden soll.

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Saturday, July 28th 2012, 3:01pm

Das Schnarren

Inzwischen gibt es eine Menge unterschiedlicher Konzepte zur Erzeugung des Schnarrens. Ursprünglich ergab sich dieser Effekt ausschließlich dadurch, dass die Schlagplatte nicht allzu stramm auf den Korpus geschraubt war. Kombiniert mit einer Technik, die M. Philippzen als "peruanische" bezeichnet, ergaben die Schlagplatten-Vibrationen das erwünschte Schnarren.

Ähnlich alten Landsknechtstrommeln (Darmsaiten über dem Resonanzfell) und brasilianischen Caixas (Saiten, die mitunter außen über das Schlagfell gespannt sind) entstanden irgendwann Cajones, bei denen Gitarrensaiten für das Schnarren verbaut wurden, die der Schlagplatte innenseitig anliegen. Es dauerte nicht lange bis auch Snareteppiche, Snareteppich-Segmente und einzelne und gebündelte Spiraldrähte zum Einsatz kamen.

Da alle Varianten nebeneinander auf dem Markt vertreten sind, muss man fragen, ob sich klangliche Unterschiede ergeben, die man verallgemeinern kann.

Saiten-Konstruktion
Da die Spannung von Gitarrensaiten in der Regel justiert werden kann, ergibt sich die Möglichkeit, den eigenen Snare-Sound bzgl. "Straffheit" einzustellen. Man kann quasi bestimmen, wie direkt und dynamisch die Saiten auf Schlaghärte reagieren. Selbstverständlich kommt es dafür auch auf die Balance zwischen Schlagplatten-Sprödigkeit und Saitendicke an, d. h. dicke weiche Platte im Verhältnis zu dünner straffen Saite, dünne spröde Platte im Verhältnis zu dicker losen Saite usw. usw. Herstellerseits gibt es so gut wie alle Variationen.
  • Achtung: niemals ein Cajon kaufen, das nicht einwandfrei eingestellt ist! Die Verantwortung für die korrekte Qualität eines Instruments liegt nur solange komplett beim Hersteller oder Laden bis der Kunde selber irgendwelche Modifikationen vornimmt. Auf Ratschläge, für den Sound an irgendwelchen Schrauben herumzudrehen, sollte man extrem vorsichtig reagieren. Immer wieder melden sich in Foren Leute, die – entgegen den bekannten Empfehlungen – ein Billig-Modell via Internet erworben haben, mit dem Sound unzufrieden sind und dann alles Mögliche ausprobieren. Auf diese Weise verunstaltet sind mir Kisten in die Hände gekommen, die es klanglich nicht mehr mit meinem Schuhschrank aufnehmen konnten.
Für mein Empfinden ist die Direktheit des Response bei Saiten am größten. Bei entsprechender Masse der verbauten Saiten reagiert der Snare-Effekt außerdem am dynamischsten auf Unterschiede der Schlaghärte, was beim Spielen wiederum das Gefühl unterstützt, den Sound "in den Händen" und nicht in der Kiste zu haben.

Bei vielen Herstellern bzw. ihren asiatischen Partnern fehlt einerseits konstruktives KnowHow und andererseits die nötige Zeit für die Endmontage, um erstklassige Saiten-Cajones auf den Markt zu bringen. Den klanglichen Mängeln wird am Ende mit diversen Abklebe- und Dämpfungsvorrichtungen begegnet, was den Hinweis auf die Möglichkeit, mit den Verstellschrauben den eigenen Snare-Sound einstellen zu können, ggf. sehr fragwürdig macht.
  • Achtung: zufällig kann ein extrem billiges Exemplar in einem Laden stehen, das alle Anforderungen an ein gutes Saiten-Cajon korrekt erfüllt. Denn – wie schon mehrfach gesagt: jedes Cajon ist ein Individuum.
Snareteppich-Konstruktion
Das Problem bei Konstruktionen mit ganzem Snareteppich ist es, einen gleichmäßigen Andruck gegen die Schlagplatte zu bringen. Da es sich um Spiral-Drähte handelt, kann man durch Zugspannung alleine nicht wirklich zu einem straffen Effekt kommen. Deshalb findet man häufig mittig irgendeine Art von Unterstützung vor. Ohne eine solche ist der Response vergleichsweise träge und schepperig – im Laufe der Zeit kommt (insbesondere bei Quer-Ausrichtung) außerdem eine Erschlaffung hinzu.

Die Varianzen zwischen Exemplaren der gleichen Serie können sehr groß sein. Grundsätzlich von Vorteil ist, wenn man selber mit einfachen Mitteln ein paar Modifikationen vornehmen kann, um z. B. die Trägheit des Teppichs verringern und der grundsätzlichen Abnahme der Spannung (Erschlaffung) begegnen. So lässt sich auch bei zunehmender Spielroutine, die oft mit einer Zunahme der Schlaghärte einher geht, immer eine korrekte Einstellung vornehmen.

Snareteppichsegment(e)-Konstruktion
Der Charakter des Effekts mit Snareteppich-Segmenten ist eher ein Rascheln als ein Schnarren, was oft gerade von Schlagzeugern sehr wertgeschätzt wird. Ich vermute, dass es an der Ähnlichkeit zum Spielen mit Besen liegt. Der Effekt als solcher reagiert nicht sonderlich dynamisch auf Schlaghärte-Unterschiede, d. h. er bleibt ein weitgehend konstantes (und vergleichsweise dezentes) Begleitgeräusch.

Die meisten Billig-Cajones werden mit einer Konstruktion ausgestattet, bei der ein einzelnes Teppichsegment von oben gegen die Schlagfläche drückt. Die Effekt-Varianzen sind extrem groß – allerdings braucht man keine Angst zu haben, ggf. selber ein paar Nachjustierungen oder sogar Umbauten vorzunehmen.

Andere Modelle besitzen eine Traverse im Korpus-Inneren, von der aus ein oder mehrere Segmente entlang der oberen Schlagplatten-Kante angedrückt werden. Auch hier sind die Varianzen groß. Ich empfehle jedem Anfänger, bei dem sich die Schlagtechniken erst noch entwickeln sollen, eine gewisse Straffheit zu bevorzugen. Mit der Zeit nimmt der Andruck der Segment-Enden nämlich aufgrund normaler Material-Ermüdung ab, d. h. was zunächst als gut empfunden wird, fühlt sich mit zunehmender Spielroutine eher indirekt an.

Spiraldrähte-Konstruktion

Hierbei handelt es sich um eine Lösung, die einen sehr feinen Effekt mit dem Gefühl der Großflächigkeit ermöglicht. In der Regel wird Cajones dieser Bauart das Prädikat "Professional" gegeben, was auch mit einem entsprechenden Preis einhergeht. Aber neben den Profis, die filigrane Techniken mit Snaregekrispel quittiert bekommen möchten, produzieren auf ihnen gerade auch Anfänger oft schon einen recht guten Sound.

Auch hier sollte man auf Straffheit des Effekt-Response achten. Bei dynamischeren Spielweisen sind mir immer wieder Cajones untergekommen, bei denen – ausgehend von leisem Krispeln per Fingertipps – sich infolge einer Dynamik-Steigerung irgendwann das Gefühl einstellte, als würde der Effekt quasi selbständig (irgendwie "eigengetaktet") reagieren. Aus Sicht eines Zuhörers wäre nichts zu beanstanden gewesen, aber mir als Spieler ging die direkte Verbindung zwischen Schlag und Effekt zwischendurch verloren.

Fortsetzung folgt.

dogspercussion

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Sunday, August 19th 2012, 3:58pm

Design

Ein entscheidendes Kriterium für oder gegen ein bestimmtes Instrument ist sicherlich auch sein Aussehen. Die meisten Menschen sind der Meinung, sowas sei als "Geschmackssache" zu behandeln, was wiederum bedeutet, unser Unterbewusstsein als etwas zu begreifen, das all unsere ureigenen(?), gesunden(?) und echten(?) Empfindungen sach-relevant sortiert und sich dem einen oder anderen zur Wahl stehenden Gegenstand zuneigt. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden. Wie schon gesagt: . . .

Einige Menschen sorgen sich darum, ihre gefühlsmäßige Sicherheit bei Entscheidungen zu verlieren, sobald sie sich (zu) viele möglichen Kriterien und Empfindungen bewusst machen. Da unser Gehirn aber jede Wahrnehmung mit Gefühlen abspeichert, braucht man sich keine grundsätzlichen Sorgen zu machen, dass sich Gefühlsvorräte zugunsten faktischer Informationen abbauen. Eine größere Mannigfaltigkeit erschwert aber natürlich spontane Überzeugungen, d. h. man ist aufgrund vieler neu-bewusster Kriterien nicht immer schnell imstande, gefühlsmäßige Entscheidungen zu treffen. Ich vermute deshalb beispielsweise, dass diejenigen, die Diskussionen über Gestaltung gerne und oft mit dem Hinweis auf Geschmacklichkeit zu vermeiden versuchen, lediglich wenig Geduld mit (und für) sich und somit vergleichsweise wenig (nützliche?) Erfahrung mit ihren Gefühlen haben. Ein Beispiel dazu:
  • Der berühmte Architekt Le Corbusier hat sich auch auf seine Intuition verlassen, ohne sich allerdings dabei unter Stress zu setzen. Eine neue Planungsaufgabe begann er damit, jedes erdenkliche Detail – Nutzung und Nutzungskonventionen, umgebende Natur, gebaute Umgebung, Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, Sonnenstände, Windeinflüsse etc. – zu recherchieren und schriftlich bzw. zeichnerisch festzuhalten. Danach hat er sich so lange nicht mehr damit befasst bis irgendwann – quasi aus heiterem Himmel – ein klares Bild des Gebäudes in seine Vorstellung trat. Diesem Bild hat er dann unbedingt vertraut, da ja alles Faktische in Verbindung mit seinen räumlichen Idealen darin enthalten und gelöst sein musste. Die konkrete Planungsausführung bestand somit also in der intensiven Befragung dieses Bilds bzw. in der Erforschung der eigenen Person und ihrer Bestrebungen anhand dieses Bilds.
Meine Überzeugung ist deshalb, dass man sich bzgl. spontaner gefühlsmäßiger Entscheidungen umso sicherer sein kann, desto mehr Wahrnehmungen man sich in der jeweils betreffenden Hinsicht schon einmal bewusst gemacht hat. Bei einem Cajon handelt es sich natürlich um einen vergleichsweise harmlosen Gegenstand. Allerdings lässt gerade die schlichte Kistenform alle möglichen Wirkungen und Botschaften zu, d. h. es lohnt sich, über verschiedene Aspekte nachzudenken:
  • In welchem musikalischen Kontext wird es gespielt werden? Blues in der Kneipe oder Flamenco im Konzertsaal? Evt. auch Flamenco in der Kneipe bzw. Blues im Konzertsaal?
  • Was passt zu mir? Bin ich auf der Bühne der schlank-drahtige Typ mit blütenweißem Puffärmel-Hemd, Kettchen um den Hals und gezwirbeltem Oberlippenbart, der sich jedes graue Haar sorgfältig nachfärbt? Oder im Gegenteil: . . . (was immer das wäre).
  • Ist mir wichtig, dass man deutlich erkennt, von welchem Hersteller mein Cajon ist? Oder finde ich es gerade gut, wenn das Instrument relativ beliebig daherkommt und die Qualität meines Spiels somit eher auf meine technischen Fertigkeiten als auf die vorgebliche Güte meiner Kiste zurückgeführt wird.
Ein weiterer Aspekt wäre evt. noch, wie ein bestimmtes Cajon über die Jahre zu altern imstande ist:
  • Auf welchen Schlagflächen wirken Be- und Abnutzungsspuren im oberen Bereich edel (z. B. wie bei alten Strats)?
  • Auf welchen Sitzflächen wäre ein geringer Moosgummi-Sitzpad-Abrieb ggf. weniger ärgerlich als beispielsweise bei Intarsien?
  • Kann ich etwas tun, um die Optik meines Cajons zwischendurch aufzufrischen – z. B. fein abschleifen und nachölen oder -wachsen?
Ich werde in diesem Beitrag voraussichtlich immer mal wieder Kriterien nachtragen.

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Sunday, August 19th 2012, 6:26pm

Zubehör - Taschen

Die meisten Hersteller bieten für ihre Instrumente auch die passenden Taschen an. Bei außergewöhnlichen Abmessungen ist es sicherlich sinnvoll, die konkret dazugehörige Tasche von vornherein mitzukaufen. Für Cajones, deren Maße 50 cm(h) x 30 cm(b) x 30 cm(t) nicht überschreiten, sollten alle auf dem Markt erhältlichen Cajon-Taschen, bei denen nicht ausdrücklich auf ein bestimmtes Modell verwiesen wird, passen.

Ein Instrument, auf dem jemand in leicht angekippter Position sitzt und mit den Händen drauf "rumhaut", braucht hinsichtlich seiner Funktionalität nicht den gleichen Schutz wie beispielsweise eines, das beim Spielen zwischen Kiefer und Schulter eingeklemmt gehalten wird. Überprüfen sollte man, ob die grundsätzliche Verarbeitung in Ordnung ist, der Reißverschluss leichtgängig um etwaige Ecken geführt werden kann, die Standfläche so beschaffen ist, dass sich irgendwelche Nahtwülste durch Herumschieben der Tasche nicht abwetzen und innen (insbesondere in den Nahtfurchen) keine Verstärkungsmaterialien herausstehen, die die Cajon-Oberflächen zerkratzen könnten.

Angenehm ist außerdem, wenn ein ausreichend geräumiges Seitenfach vorhanden ist, in der neben Sticks und Besen auch gängige Formate von Noten/Spielanleitungen Platz finden können. Und um sein Cajon auch gerne mal mitzunehmen, wenn man vorher eine gewisse Wegstrecke zurücklegen muss, ist eine Rucksack-Tasche sehr angenehm.

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Sunday, August 19th 2012, 8:19pm

Zubehör – Add-Ons

Vor einiger Zeit habe ich ein Konzert des Trios FisFüz mit dem Perkussionisten Murat Coskun besucht, der insbesondere als exzellenter Rahmentrommler bekannt ist. Als Endorser des Cajon-Herstellers Schlagwerk spielte er auch einige Stücke auf einem Cajon mit weitgehender Vollausstattung an sog. Add-Ons, die dieser Hersteller im Angebot hat.
  • Man muss dazu sagen, dass diese Firma in ihrer Selbstdarstellung für sich gerne das Image des Innovativen reklamiert. Sicherlich verdankt ihr die Cajon-Community viele Entwicklungen, ihre hervorstechende Fähigkeit liegt seit einigen Jahren aber eher im Aufgreifen von Ideen und der Umsetzung dieser zu Produkten auf hohem gestalterischen und funktionalen Niveau. Hinzu kommen griffige Namen für diese Produkte, die von diversen Endorsern in Magazin-Workshops und eigenen Veröffentlichungen so selbstverständlich eingeführt werden, dass binnen Kurzem eine soghafte Wirkung auf das allgemeine Instrumentenverständnis und das Kaufverhalten entsteht.
Zurück zu Murat Coskun: es ist wahnsinnig faszinierend, was jemand wie er aus Rahmentrommeln herausholen kann. Was diese Instrumente an differenzierten Feedbacks auf kleinste technische Variationen hervorbringen und dabei trotzdem immer homogen bleiben, d. h. ihre Ganzheit als ein einzelnes Instrument bewahren (selbst das Bendhir mit seinen innen lose hängenden Metallketten), ist grandios. Wenn sich Murat zwischendurch allerdings auf sein Cajon setzte (und ab und an auch darauf solierte), wurde mir deutlich, was ich intuitiv immer schon vermutet hatte: die Sounds, die die verschiedenen Add-Ons beisteuern, bleiben als solche für sich und sind in ihrer jeweiligen Charakteristik qualitativ nicht gleichwertig.

Ich möchte diesen Add-Ons ihre Berechtigung nicht vollends absprechen, aber aus musikalischer Sicht verstärken sie die Wahrnehmung des Cajons als ein Ersatz für Schlagzeug, und zwar derart, dass in diesem Vergleich immer auch der Minderwert wahrnehmbar bleibt. Ein eigenständiges musikalisches Denken, das die Herausarbeitung der immanenten Möglichkeiten einer Holzkiste als solcher fördert, wird erschwert. Ein spezifisches Interesse, diesem eigenständigen Denken zuvor zu kommen, haben (neben dem Hersteller natürlich) Endorser, deren musikalische Existenz sehr stark daran geknüpft ist, anderen Menschen immer wieder Anlass für (Anfänger-)Workshops zu sein. Und so entstehen regelmäßig neue Lehrwerke (der immer gleichen Autoren), in denen Altbekanntes durch Hinweise ergänzt wird, an welchen Stellen man innerhalb rhythmischer Strukturen auf dieses oder jenes neue Add-On hauen kann. Und ein hierzulande sehr bekannter Cajon-Spezialist suggerierte unlängst in seiner Workshop-Kolumne des Fachblatts drums&percussion, dass nun gottseidank die Zeiten vorbei seien, wo ein Cajonspieler ständig seine HiHat samt Ständer zur Session in den Park schleppen musste (das gemeinte Add-On ist der sog. Heckstick, ein Jingle-Stick, der sich per Klettverschluss an so gut wie jedem Cajon seitlich befestigen lässt).

Zu diesem Thema möchte ich abschließend nochmals darauf hinweisen, dass aus der obigen Darstellung selbstverständlich herauslesbar ist, was – dem gegenüber – die Leitvorstellungen von Dog´s Percussion sind. Die Cajones von Schlagwerk sind aber dadurch nicht weniger empfehlenswert, dass sich auch die erwähnten Add-Ons in deren Sortiment befinden.

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