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Andreas

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Wednesday, November 14th 2012, 11:54am

Sama und die 'Schönheit' im Kathak von Nicole Manon Lehmann

In der Veröffentlichung der Dissertation "Sama und die 'Schönheit' im Kathak" der (Musik-) Ethnologin Nicole Manon Lehmann (erschienen im LIT Verlag ) geht es zwar nicht um Trommeln, sondern um den nordindischen Tanz Kathak, doch möchte ich dieses Buch dennoch hier vorstellen.

Beim Kathak-Tanz spielt Rhythmus eine wichtige Rolle, und da nach indischer Auffassung Musik und Tanz nicht klar getrennt sind, bietet dieses Buch auch nicht-Tänzern einen guten Einblick in die (nord)indische Musik. In dem über 600 Seiten umfassenden Werk geht die Autorin u.a. auf die historischen und kulturellen Hintergründe des Kathak ein, was sich zudem als eine allgemeine Einführung in die nordindische Kultur lesen lässt. Weiterhin werden auch Begriffe zu "Metrum und Tempo" erläutert und eine Rhythmusanalyse beleuchtet das nordindische Tala-System.

Für Leute, die Interesse an der (nord)indische Musik und Kultur haben, halte ich dieses Buch für sehr lesenswert.
Eine kurze Rezension des Buches ist hier zu finden:

http://www.eifelwebs.de/andreasw/wp/wordpress/?p=179

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dogspercussion

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2

Wednesday, November 14th 2012, 8:44pm

Hallo Andreas,

herzlich willkommen im percussionforum.net.

Dass Musik vom Tanz komplett getrennt begriffen werden kann, hängt u. a. wohl stark mit unserer Konservierungs- (Platten, CDs, DVDs) und Konsumierungspraxis zusammen. Hinzu kommt, dass Musik weitgehend als eine individuelle "Geschmackssache" gehandhabt wird - sprich ein verbindlicher Kontext in Form von differenzierten Feier-Ritualen verloren gegangen ist.

Was wäre denn Deine Empfehlung, warum man sich gerade mit Musik und Tanz aus Nord-Indien befassen sollte - bzw. was hat es Dir gebracht? Und was ist auf unser Musik-Erleben übertragbar?

Grüße
Oliver

Andreas

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Tuesday, January 29th 2013, 2:03pm

Hallo Oliver,

vielen Dank für die Einladung ins percussionforum.net.

Soweit mir bekannt ist, gibt es eine Vielzahl von Faktoren die zur Trennung von Musik und Tanz geführt haben. Dies machte sich schon erkennbar, als Sonaten komponiert wurden, die zwar Satzbezeichnungen wie "Menuett", "Air" usw. beinhalten, aber für einen Instrumental-Solisten gedacht waren ohne direkten Bezug zum Tanz.

Ob und wie sich jemand mit Musik und Tanz aus Nordindien beschäftigt bleibt jedem selbst überlassen. In meinem Falle war es so, dass ich durch die Tabla bereits 'Kontakt' zur indischen Rhythmik hatte. Auf mein alltägliches Musikerleben hat die Art und Weise der rhythmischen Überlieferung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wie sicher bekannt ist, werden in Indien Rhythmen mit Hilfe von Silben - also einer Form der Sprache - gelernt, im Gegensatz zu abstrakten Zeichen (sprich Noten). Dies eröffnet auch andere Zugänge zu Rhythmen, die mit unserer westlichen Notation schwerer zu finden sind.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Beide Formen der Notation (Silben können ja auch aufgeschrieben werden) haben ihre Vor- und Nachteile und sind über Jahrhunderte in einem bestimmten musikalischen Gefüge entstanden. Wenn ich hier also eine Silbennotation und unsere westlich Notation gegenüber stelle, so geschieht dies wertfrei. In meinen Unterricht verwende ich selber auch unsere Notation, doch habe ich gemerkt dass Silben durchaus helfen können unsere Noten zu lernen.

Speziell am Kathak faszinierte mich die rhythmische Fußarbeit, die nur ein Bestandteil dieses Tanzes ist. (siehe link)
http://www.youtube.com/watch?v=pE5FGGBS-ho
Auch wenn die rhythmischen Rahmenbedingungen (Tala) identisch sind, geht ein/e Kathak-Tänzer/in im Detail damit anders um als ein Tabla-Spieler.
Das ursprünglich vorgestellete Buch erweiterte mir als 'Vorbelasteten' den Blick auf die mir bekannten Bereiche der indischen Musik. Und genau wie eine Reise den Blick auf die eigene Kultur ändern kann, ändert auch die Beschäftigung mit einer anderen Musikkultur die Wahrnehmung der eigenen.
In meinem Falle ist es so, dass ich die Rolle der Trommel(n) in klassischer indischer Musik interessanter fand als die Rolle der Trommel(n) in klassischer europäischer Musik. Dennoch (oder deswegen?) kann ich mit ungehinderter Freude Musik eines Palestrina, Beethoven oder Jimi Hendrix und Nils Petter Molvear hören. :)